Zum Eintritt ins Pensionärsleben


Schaut euch mal den Kaktus an,

da ist doch eine Menge dran:

Innen saftig – ohne Frage,

außen stachlig – eine Plage.


So wie der Kaktus ist das Leben,

in das ihr Euch müsst bald begeben.

Ich bin Experte, seit ´nem Jahr

ist Schule für mich nicht mehr da.


Dafür genieße ich al dente

das pralle dolce far niente -

und komm´mir manchmal nutzlos vor.

Was bin ich doch ein alter Tor,


der meint, er würde noch gebraucht,

damit im Land der Schornstein raucht.

Stattdessen ist doch dieses wichtig:

Wer Stellen frei macht, der liegt richtig!


Zurück zum Kaktus und den Säften,

die saugen wollen wir mit Kräften.

Das Saugen klappt nur, wenn ihr seid

gesund und munter und bereit


die alten Dinge zu befragen.

Den Paradigmawechsel wagen

und selbstbestimmt durchs Leben schreiten,

dadurch gewinnen neue Weiten,


neue Tiefen, neues Fühlen,

vergesst ganz schnell die alten Mühlen,

entwerft den neuen Masterplan:

Ein jeder so, wie er es kann,


das Ziel bis hin zur Ewigkeit:

größtmögliche Glückseligkeit,

oder – auch anders formuliert:

macht das kaputt was euch geniert.


Schon hör ich Dutschke leise lachen

was sagt der Neumann da für Sachen,

das ist doch blanke Theorie,

das schafft man ja im Leben nie!


Da hat er recht, das sind die Stacheln,

die uns das Leben schwierig machen.

Wir wissen zwar, was richtig wär,

doch es zu tun, das fällt uns schwer!


Vielleicht ist ja nur jener weise,

der auf der neuen Lebensreise

die gold´ne Mitte praktiziert,

sein Umfeld noch mal gut studiert,


dazu sein Ich analysiert,

und daraus dann synthetisiert:

die kleinen Stacheln bleiben stecken -

die großen müssen doch verrecken.


Wie immer auch – es wird gelingen,

dem Leben noch was abzuringen.

Altmeister Goethe gibt den Rat:

Bedenkt – im Anfang war die Tat.


Der Kaktus - Pensionärsbegleiter

stimmt uns mal traurig und mal heiter:

Innen saftig – ohne Frage,

außen stachlig – eine Plage -


Und wenn er´s mit uns mal gut meint,

die Blüte wie die Sonne scheint.

6-10