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Rucksacktrilogie



















































































































































 












 












 













 




























 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rucksack-Freuden
 
Ein Mensch, der einen Rucksack trägt,
sich heutzutage frei bewegt
ganz ohne Lasten in den Händen.
Nur ein’s ist störend beim Sich-wenden -
nein, nicht für ihn (er merkt es kaum) -
dem Nebenmann nimmt er den Raum

und schwenkt ihm, freilich unbewußt,
den Rucksack-Buckel in die Brust,
wobei des Brotes spitze Ecken
dem Hintermann die Rippen drücken.
Der Rucksack-Mensch dagegen sieht
nicht das, was hinter ihm geschieht

und walzt sich freihändig davon,
schwingt sich auf’s Rad und freut sich schon
auf Abendbrot mit Milch, Ei, Käse,
wird legen sich auf „Longue Chaise“
und nichts mehr tun nach Abendessen,
die Alltagssorgen rasch vergessen.

Im Treppenhaus noch zeigt sich ihm:
Wie ist ein Rucksack doch bequem,
beim Tragen aller Einkaufsmengen
und man an Händen nichts hat hängen.
Erst als den Rucksack auf er schnürt’,
fand  Milch und Eier, gut verrührt,

ringsum an Rucksacks Innenwand:
„Hatt’ doch so’n Mensch mich angerannt!“,
beklagt er laut, was er nun sieht,
und denkt nicht d’ran, daß hier geschieht
zum Ausgleich nur Gerechtigkeit,
die Fügung stets uns hält bereit:

Wenn Rückwärtsseh’n nicht findet statt,
man folglich auch das Nachseh’n hat.


02.02.97   B.S. = Bernhard Selker





Rucksack-Leiden

Ein Mensch denkt praktisch, und er trägt,
wenn er sich durch die Stadt bewegt,
was er vom Känguruh kopierte,
es allerdings bei sich placierte
statt auf dem Bauche auf dem Rücken,
gehalten von zwei Riemenstücken.

Das heißt, so ward es einst gedacht
von dem, der dieses Ding gemacht
und das zurecht man Rucksack nennte,
wenn nicht zu oft man sehen könnte,
wie Mensch das Ding ganz ungeniert
zum Schultersack umfunktioniert:

Des Rucksacks kluge Konstruktion
ward’ ausgedacht, daß stets sie schon’
des Menschen Rückgrats Seitenbeugung.
Jedoch zufolge Trendverneigung
meint Mensch, daß lässiger es wäre,
wenn er den Rucksack trotz der Schwere

auf eine Schulter sich nur hängt
und dann riskiert, daß sich verrenkt
sein Rückgrat - sich wohl auch verbiegt,
obwohl grad’ dieses gar nicht liegt
in Rucksacks Konstruktion begründet 
und man Erklärung so nur findet:

Der Mensch folgt blindlings jedem Trend,
weil er - so glaubt er - sonst verpennt,
die Lässigkeit zu demonstrieren,
die heutzutag’ soll imponieren -
selbst wenn der Sache guten Zweck
auf diese Weise er wirft weg.

Der Mensch möcht gern im Trend stets liegen -
läßt selbst vom Rucksack sich verbiegen.


05.02.97   B.S.







Rucksack-Kleiden

Ein Mensch im Zeitgeist sich befindet,
wenn stets er sich dem zuwendet,
was „man“ so trägt, so macht, so denkt,
weshalb zum Beispiel er auch hängt
ein Ding sich um - fast Körperteil -,
und das der Zeitgeist bietet feil.

Und wenn der Mensch erst ‘mal erkennt,
wie gerne mit ihm ‘rum er rennt,
dann gibt’s für ihn kein Halten mehr:
Der Mensch trägt alles - leicht und schwer,
mal viel, mal wenig - niemals krumm -
in einem Rucksack mit sich ‘rum.

Dies’ Ding - mal schlicht, mal chic gestyled,
mal schlaff, mal prall und ausgebeult -
hat solch ein Mensch in vielen Sorten,
trägt’s auch inzwischen an solch’ Orten
wie Opernhaus, Theatersaal -
Format dort eher zart und schmal,

dem Damenrücken angepaßt,
gewissermaßen eingemaßt
und integriert dem Abendkleide.
Von vorn und hinten: Augenweide!
Bei Seitenansicht rechts und links
das Bild dann leidet allerdings:

Der vordere Konturenbogen
wird rucksackseitig aufgewogen.
Doch stellt die Dame sich dann quer,
ist alles wieder wie vorher:
Die Rundung - g’rade noch verschwommen -
wird hüftwärts gerne wahrgenommen.

Ein Rucksack ziert zwar mancher Frau
die Rückfront - nicht den Körperbau.


02.02.97   B.S.